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None of Your Business

None of Your Business

Wer Bandar Abbas in diesem Jahr in den Nachrichten gelesen hat, kennt die Stadt als Hafen an der Straße von Hormus, als militärisches Ziel, als Punkt auf einer Karte mit Pfeilen. Über eine halbe Million Menschen leben dort, und auf dieser Karte kommen sie nicht vor. Diese Bilder sind nicht falsch, aber sie zeigen einen Ausschnitt. Jedes Bild hat einen Rand, und meistens sehen wir nicht mehr, wer ihn gewählt hat. Ich wünsche mir, dass man diese Stadt wegen Ebrahim Monsefi kennt, nicht wegen der Straße von Hormus.

Monsefi, genannt Ebram, war Sänger, Gitarrist und Dichter, keine offizielle Figur. Er sang mit wenigen Akkorden, meist allein, und nahm seine Lieder nie in einem Studio auf. Flamenco und indische Musik brachte er mit den Dialekten des Südens zusammen. Er starb 1997 mit zweiundfünfzig Jahren. Erst danach wurden seine Aufnahmen nach und nach entdeckt, heute singen junge Gitarristen im Süden seine Lieder, und in Hormozgan nennt man ihn den Nima des Südens, nach dem Vater der modernen persischen Dichtung. Kein Archiv hat diese Lieder bewahrt, sondern die Menschen. Mich berührt, wie etwas bleibt, das nie einen sicheren Platz bekommen hat.

Kamran Heidari erzählt das nicht wie eine Biografie. Er sammelt Spuren, Gesichter, alte Aufnahmen und Stimmen, die sich manchmal widersprechen. Wir lernen Monsefi über andere kennen, und er bleibt dabei merkwürdig nah und gleichzeitig unerreichbar. Viele Bilder sind aus der Luft aufgenommen, und mit Monsefis Stimme entsteht der Eindruck, als würde der Tote selbst auf seine Stadt schauen. Der Blick von oben, sonst der Blick von Karten und Zielkoordinaten, wird hier zum Blick eines Liebenden. Der Film zeigt kein Monument und kein bedeutendes Gebäude, und trotzdem erzählt er einen Ort. Für mich ist das eine architektonische Frage. Erinnerung steckt nicht nur in Denkmälern, sondern auch in Wegen, in Schatten, im Wind vom Meer und in der Art, wie Menschen zusammensitzen.

Meine erste Frage war nicht, welchen Film ich zeigen will, sondern welche Bilder fehlen. Über Flucht und Asyl gibt es nämlich genauso nur zwei Bilder, Schmerz auf der einen Seite, die Erfolgsgeschichte auf der anderen. Beide stimmen, und beide bleiben zu klein. Ein Mensch bringt mehr mit als seine Verletzungen, und genau das trägt die Musik in diesem Film. Man muss nicht jedes Wort verstehen, um eine Sehnsucht oder eine Müdigkeit zu hören.

Der Titel klingt wie eine Abwehr. Was geht dich das an? Der Film tut das Gegenteil. Er nähert sich einem Menschen, der nicht mehr da ist, über die Erinnerungen anderer, ohne zu behaupten, ihn zu besitzen. Ich zeige ihn nicht, um zu sagen, so ist Iran. Das kann kein Film, auch ich nicht. Ich will auch kein Mitleid erzeugen, denn Mitleid hält Abstand. Ich will, dass ein Mensch größer wird als das Bild, das man von ihm gemacht hat.

Sam

Kurator:in

Ich bin in Teheran geboren und lebe seit 2012 in München. Mein Weg hierher war keiner, den ich gewählt habe. Ich hatte gerade meine Ausbildung als Bauzeichner abgeschlossen, als ich Iran verlassen musste. In München habe ich noch einmal von vorne angefangen, bis hin zu zwei Masterabschlüssen in Kunst, Architektur und Urban Design. Heute arbeite ich zwischen Stadt, Raum, Kunst und Film. Ich denke Filme räumlich und Räume wie Filme. Ein Gebäude zeigt sich nicht auf einmal. Man kommt an, tritt ein, wartet, schaut zurück. Auch im Film entscheidet jemand, wohin wir schauen und was außerhalb des Bildes bleibt. Ein Raum ist nie neutral, ein Bild auch nicht. Seit 2025 bin ich in der Lehre tätig, unter anderem an der Universität Siegen und an der Akademie der Bildenden Künste München. Film ist für mich eine Methode, Architektur zu sehen und zu machen, vom Städtebau bis zum Detail. Mit Ciné Vélo Cité, dem Fahrradkino, das ich mitgegründet habe und in dessen Vorstand ich bin, spannen wir Leinwände an Orten auf, wo sonst niemand hinschaut. Wer solche Orte baut, entscheidet mit, wer dazugehört. Asyl ist für mich nichts, worüber ich von außen spreche. Gerade deshalb weiß ich, wie schnell ein Mensch auf eine einzige Geschichte reduziert wird. Er hat davor gelebt und lebt danach weiter, mit Musik, Erinnerungen und einer Kindheit, die nichts mit Flucht zu tun haben muss. Bei Kino Asyl suche ich Filme, die nicht für ein Land sprechen wollen. Filme, die etwas öffnen, statt es zu erklären.

Filmblock 1
25.11.2026, 19:15 Uhr
Kamran Heidari
Iran
Dokumentarfilm
OmdU
64 min.
Eintritt frei
Content Notes
Münchner Kammerspiele, Werkraum
Hildegardstraße 1
80539 München

Sam

Kurator:in

Ich bin in Teheran geboren und lebe seit 2012 in München. Mein Weg hierher war keiner, den ich gewählt habe. Ich hatte gerade meine Ausbildung als Bauzeichner abgeschlossen, als ich Iran verlassen musste. In München habe ich noch einmal von vorne angefangen, bis hin zu zwei Masterabschlüssen in Kunst, Architektur und Urban Design. Heute arbeite ich zwischen Stadt, Raum, Kunst und Film. Ich denke Filme räumlich und Räume wie Filme. Ein Gebäude zeigt sich nicht auf einmal. Man kommt an, tritt ein, wartet, schaut zurück. Auch im Film entscheidet jemand, wohin wir schauen und was außerhalb des Bildes bleibt. Ein Raum ist nie neutral, ein Bild auch nicht. Seit 2025 bin ich in der Lehre tätig, unter anderem an der Universität Siegen und an der Akademie der Bildenden Künste München. Film ist für mich eine Methode, Architektur zu sehen und zu machen, vom Städtebau bis zum Detail. Mit Ciné Vélo Cité, dem Fahrradkino, das ich mitgegründet habe und in dessen Vorstand ich bin, spannen wir Leinwände an Orten auf, wo sonst niemand hinschaut. Wer solche Orte baut, entscheidet mit, wer dazugehört. Asyl ist für mich nichts, worüber ich von außen spreche. Gerade deshalb weiß ich, wie schnell ein Mensch auf eine einzige Geschichte reduziert wird. Er hat davor gelebt und lebt danach weiter, mit Musik, Erinnerungen und einer Kindheit, die nichts mit Flucht zu tun haben muss. Bei Kino Asyl suche ich Filme, die nicht für ein Land sprechen wollen. Filme, die etwas öffnen, statt es zu erklären.

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