Kino ist für mich einer der wenigen Orte, an denen Menschen dieselbe Geschichte teilen und sie trotzdem ganz unterschiedlich erleben können. Genau diese Vielfalt an Perspektiven macht unsere Gesellschaft aus. Solidarität, Gemeinschaft und ein offener Austausch über kulturelle Grenzen hinweg sind Werte, die mir besonders wichtig sind. Als Filmliebhaber faszinieren mich vor allem transgressive Werke – Filme, die gewohnte Grenzen überschreiten, unbequeme Fragen stellen und neue Perspektiven eröffnen. Als 23-jähriger Geflüchteter aus der Ukraine habe ich selbst erfahren, wie wichtig Räume sind, in denen unterschiedliche Stimmen sichtbar werden. Deshalb bedeutet mir Kino Asyl so viel: Das Festival schafft Platz für Geschichten und Erfahrungen, die im kulturellen Leben oft weniger repräsentiert sind, und macht Kino zu einem Ort der Begegnung, des Dialogs und des gemeinsamen Lernens.
Ich habe Sergei Loznitsas Donbass ausgewählt, weil der Film, obwohl er 2018 entstanden ist, erstaunlich nah an der Post-Truth-Welt wirkt, in der wir heute leben. Es geht dabei nicht einfach um Propaganda oder darum, dass verschiedene Versionen der Realität nebeneinander existieren. Mich interessiert vor allem, wie die Menschen selbst in diesem Zwischenraum aus Wahrheit, Fiktion, […]